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Interview mit Ronald van Gelderen




Interview mit Ronald van Gelderen beim HeavensGate after Loveparade Dortmund (19.07.2008)

Samstag, der 19. Juli 2008: In Dortmund ist die Hölle los. Gesperrte Straßen, Polizei an jeder Ecke, Rettungswagen und unglaublich viele Menschen sammeln sich mitten auf der Straße. Die Loveparade ist vorbei und nun heißt es: Afterparty. Dort hinzukommen war nicht so einfach, aber wir haben für euch keine Mühen gescheut und haben uns bis zum HeavensGate gekämpft. Unser Partnerlabel High Contrast Recordings hat uns dort exklusive Interviews ermöglicht.

Hier nun der erste Teil unserer HeavensGate Interview-Reihe: Ronald van Gelderen.

Kurz nach seinem Gig besuchten wir Ronald van Gelderen im Backstage Bereich, um mit ihm ein bisschen zu plaudern. Das sollte unser erstes richtiges Interview für TranceBase.FM werden. Was würde uns erwarten? Wie sind DJs wohl, wenn man sie einfach so trifft? Fragen über Fragen, die wir uns dann im Nachhinein selbst beantworten konnten.

Im Hintergrund hört man das Set von Menno de Jong, der gerade „Jochen Miller - Lost Connection“ spielt.

Verena: Schön, dich hier beim HeavensGate in Dortmund zu treffen! Vielen Dank für das Dropin, das du für TranceBase.FM gemacht hast!

Ronald van Gelderen: Bitte, habe ich gern getan.

Verena: Kannst du dich kurz für die Community von TranceBase.FM vorstellen?

Ronald van Gelderen: Ich heiße Ronald van Gelderen, bin DJ und Producer – manche nennen das Allround-Performer – und komme aus Amsterdam (NL). Das ist eigentlich das, was ich mache. Ich reise durch die ganze Welt, um meine Musik zu spielen und während der Woche bin ich im Studio, um so viel wie möglich zu produzieren.

Verena: Wie du bereits gesagt hast, reist du quer durch die Welt und hast schon in vielen Ländern gespielt. Hast du einen Lieblingsort, an dem du bereits gespielt hast?

Ronald van Gelderen: Mein Lieblingsort – ich werde im September wieder für einen ganzen Monat dort sein – ist Australien. Das ist eines meiner Lieblingsländer. In so vielen verschiedenen Ländern zu spielen ist toll, aber die Atmosphäre in Australien ist sehr besonders, weil es vom Rest der Welt entfernt ist. Die Stimmung dort ist komplett anders und es ist das einzige Land der Welt, in dem es Kängurus gibt.

An dieser Stelle mussten wir alle lachen.

Ronald van Gelderen: Das ist etwas Besonderes für mich. Ich denke, Australien ist ein ganz besonderer Ort.
 
Verena: Performst du lieber auf großen Trance Events oder in kleineren Clubs?

Ronald van Gelderen: Das ist eine Fangfrage. Ronald lacht und denkt kurz nach. Ich denke fifty-fifty. Zum Beispiel heute Nacht, es ist kein großes Event und hier sind nicht viele Leute, aber man spürt, dass die Stimmung richtig gut ist. Manchmal, wenn man auf einer Party für 10.000 Leute spielt, reagiert niemand auf die Musik. Egal, was du spielst, bekannte Hits oder andere Tracks. Es kommt also auf die gesamte Stimmung der Party drauf an. Wenn dort 50 Leute sind, die richtig mitfeiern, bin ich glücklich und wenn dort 50.000 sind, die feiern, bin ich genauso glücklich. Also fifty-fifty.

Verena: Also hat dir das Auflegen hier in Dortmund gefallen?

Ronald van Gelderen: Lächelt. Ja. Während des Tages auf dem Truck auf der Loveparade war es etwas anderes. Es war toll, aber es war sehr nass. Das drückt die Stimmung ein bisschen, wenn alle frieren. Aber heute Nacht ist es echt toll, ja.

Verena: Wie hast du dich gefühlt, als du deine erste selbst produzierte Vinyl in deinen Händen gehalten hast?

Ronald van Gelderen: Denkt nach. Das ist nun schon etwa 12 Jahre her. Das war meine erste Single von „Formologic“, die „My X-Perience“ hieß. Es ist ein eigenartiges Gefühl … ein sehr gutes Gefühl. Du hast das erste Mal das Gefühl, dass etwas aus deinen Gedanken kommt, du packst es auf eine Platte und kannst es dann anderen Leuten geben oder sie kaufen es und mögen es und spielen es dann. Das ist wirklich ein cooles Gefühl. In seinem Gesicht sieht man einen stolzen und glücklichen Ausdruck.

Verena: Hast du jemals gedacht, dass du so erfolgreich sein würdest?

Ronald van Gelderen: Ich habe es nie gedacht, aber gehofft. Als ich angefangen habe, Musik zu machen und sie für mich zu spielen, war mein einziges Ziel, dorthin zu kommen. Ich muss nicht der beste DJ der Welt sein, das ist absolut nicht mein Ding. Ich bin offensichtlich anders als andere DJs.

Draußen legt Menno de Jong jetzt „Mandala Bros. - Fallin´“ auf.

Ronald van Gelderen: Wie ich aussehe und was ich mache, ich singe meine eigenen Vocals. Derzeit probiere ich als Allround-Performer erfolgreich zu sein, um den Leuten ein Gesamtpaket zu liefern. Und wenn ich das so lange weiter machen kann, wie ich möchte, dann bin ich zufrieden.

Verena: Deine neue Single „Embrace Me“ ist komplett anders als „Dirty Rocker“. Was ist deine Inspiration für deine Tracks?

Ronald van Gelderen: Alle Songtexte, die ich schreibe, stammen aus meiner Biografie. Es sind keine erfundenen Geschichten, sie stehen dafür, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Durch „Dirty Rocker“ habe ich mein komplettes Image geändert. Ich wollte das unbedingt für mich selbst tun und die ganze Welt redete darüber. Die Medien und alle anderen fragten „Er ist wie ein Freak, ist er ein Rocker, was genau ist er?“

Wir konnten uns alle drei ein kleines Lachen nicht verkneifen.

Ronald van Gelderen: Sie meinten ich sei gekleidet wie ein Freak, aber ich war nur ich selbst. Ich hatte so die Nase voll davon, also machte ich halt einen Song darüber und nannte ihn „Dirty Rocker“. Und dann verstanden sie mich endlich. Aber „Embrace Me“ ist eine komplett andere Geschichte, weil ich diesen Song für meinen Vater geschrieben habe, der vor vier Jahren gestorben ist. Es war eigentlich ein Song, der nur für das Album gedacht war, aber es fragten so viele Leute danach, dass wir entschieden haben, daraus ein Release zu machen, fügten ein paar Remixe hinzu, den Rank 1 Remix und den H!Vltg3 Mix und veröffentlichten das Ganze dann. Und wir haben ein Video gedreht. Es ist ein besonderer Song für mich, da er eine bestimmte Bedeutung hat. Somit sind „Dirty Rocker“ und „Embrace Me“ komplett verschieden, aber ich kann euch jetzt schon verraten, dass die nächste Single nach „Embrace Me“ wieder komplett anders sein wird. Ich möchte nicht immer und immer wieder das Gleiche machen. Es wird also eine Überraschung. Lächelt.

Verena: Du hast bereits mit Tiësto zusammen produziert und neulich einen Remix von „Urban Train“ gemacht. Gibst du deiner älteren Arbeit gerne einen neuen Style?

Ronald van Gelderen: Nicht allen, aber „Urban Train“ war für mich und Tijs etwas Besonderes. Es ist einer der größten Hits, den Tiësto jemals hatte und eben der, den wir zusammen produziert haben. Bisher hat niemand einen Remix davon gemacht, bis auf eine Person, die ein Mashup gemacht hat. Falls das jemand macht, möchte ich das also selbst tun. Ich habe mich dazu entschlossen, einen Remix zu machen, der wirklich gut in mein Set und in das Set von Tiësto gepasst hat. Ich wollte kein großes Trance Anthem daraus machen. Ich denke, es ist mir wirklich gelungen, aber das mit den anderen Tracks zu tun, die ich gemacht habe … ich weiß es noch nicht. Ich sage immer wenn der alte Track gut ist, dann lass es so, aber mit „Urban Train“ war das anders.

Verena: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Tiësto?

Ronald van Gelderen: Ein Grinsen in seinem Gesicht. Das ist komisch, er hat mich gefragt. Ich habe 2000/2001 einen Track gemacht und habe ihn gefragt, ob er einen Remix davon machen kann. Er hat also den Remix gemacht und er mochte den Track so sehr, dass er mich nach ein paar Wochen angerufen hat und gefragt hat, ob ich mit ihm ins Studio will. Aber damals war er noch nicht so bekannt wie heute. Er war nicht die Nummer Eins auf der Welt und ich kannte ihn schon von früher. Es war eine coole Sache, die wir nie erwartet hätten. Wenn man sich „Flight 643“ und „Lethal Industry“ und die anderen Tracks anschaut … die können leicht zu großen Hits werden. Aber von den älteren Tracks war „Urban Train“ der Erfolgreichste. Für mich ist das immer noch eine schräge Sache, aber es ist toll, ich war sehr zufrieden. Alle lachen.

Verena: Hast du zurzeit einen Favorit als Trance Track?

Ronald van Gelderen: Denkt kurz nach. Es ist kein wirklicher Trance Track. Ich glaube der Track kommt aus Deutschland. „Miki Litvak & Ido Ophir - Shnorkel”. Und der aktuelle Song von Marco V und Sander van Doorn „Organic“. Die beiden sind sehr gute Freunde von mir und meiner Meinung nach ausgezeichnete Producer.

Verena: Wo ist dein nächster Gig nach dem HeavensGate in Dortmund?

Ronald van Gelderen: Morgen, auf dem Free Festival. Das ist ein Festival in Holland an einem großen Strand mit etwa 5.000 Leuten. Also wenn das Wetter so ist wie heute, wird es sehr spaßig. Lacht.

Verena: Hast du überhaupt noch Zeit, um Events als ein normaler Gast zu genießen?

Ronald van Gelderen: Nein, das ist sehr schwierig. Und falls ich Zeit habe, dann gehe ich nicht zu Events. Wenn du ein paar Wochen lang in verschiedenen Ländern spielst und dann nach Hause kommst … Ich bin dann im Studio, entspanne mich, schaue DVDs, chille und so weiter. Wenn man dann wieder zu einer Party geht, kriegst du nie eine Auszeit. Ich muss mich jedes Mal erholen, um wieder im Studio arbeiten zu können. Viele Produzenten stehen um 15 Uhr auf. Ich sehe das als Job, einen Job, den ich sehr mag. Ich stehe morgens um 8 Uhr auf und bin von 8:30 Uhr bis 18 oder 19 Uhr abends, eventuell auch länger, im Studio. Danach chille ich ein bisschen und am Wochenende geht es dann wieder los. Es ist also ein 7-Tage-Job. Das ist nicht nur ein Hobby.

Verena: Was gefällt dir am meisten daran, ein DJ zu sein?

Ronald van Gelderen: Was ich am liebsten mag, ist auszudrücken, wie ich mich fühle und Leuten etwas geben zu können, das sie mögen. Wenn du ein tolles Lied spielst und sie lächeln und du siehst über 1.000 Leute lächeln … das ist so viel positive Energie. Wenn du das fühlst, das ist wirklich etwas Besonderes. Manchmal, wenn du drei Tage hintereinander jeden Tag fliegst, hast du echt keine Lust mehr, die ganze Zeit zu fliegen. Aber wenn du dann ankommst, erholst dich und fühlst die positive Energie der Leute … wenn sie dir all diese positive Energie geben, das ist großartig. Lächelt.

Verena: Was wirst du denn jetzt nach deinem Gig tun?

Ronald van Gelderen: Ganz selbstverständlich. Ich werde nach Hause fahren. Zurück nach Amsterdam, ein bisschen schlafen. Und morgen dann die nächste Party.

Verena: Vielen Dank für das Interview mit TranceBase.FM und viel Erfolg für deine Zukunft!

Wir ließen es uns nicht nehmen, ein gemeinsames Foto zu machen. Quasi als ultimativen Beweis, dass wir Ronald van Gelderen wirklich live und in Farbe getroffen haben.


Ronald van Gelderen, milcine & peaceee

Es war ein sehr tolles Interview mit einem total netten Menschen. Wer auf die Vorurteile hört, die zum Teil in den Medien veröffentlich wurden, der hat ein absolut falsches Bild von Ronald van Gelderen.

Wofür wir ihm sehr dankbar sind – und was wir gar nicht erwartet hätten – ist, dass er uns sogar noch ein Interview mit Menno de Jong arrangiert hat, das ihr bald auf unserer Homepage finden werdet.


Ronald van Gelderen
Grafik: Tyten
Video: "Embrace Me"  
High Contrast Recordings
 English version
Am 12.11.2008 um 21:00 Uhr von milcine


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  #12   PCJ 16.11.2008 22:19   
Geiles Interview, weiter so!!!
  #11   FleXshoT 14.11.2008 21:49   
tolles ding :)
danke für dieses interview :)
  #10   Cahnda 13.11.2008 11:35   
sehr schönes Interview. Liest sich wirklich gut, auch mit den Kommentaren zwischendurch (wg. dem Lachen etc.) :)
  #9   jiN 12.11.2008 23:08   
-.-'
da surft man einmal mit dem internet explorer und dann zeigt der mal wieder nur die hälfte an... =D
mit firefox steht gleich in der ersten zeile, dass ihr ihn beim heavens gate getroffen habt xP
  #8   milcine 12.11.2008 22:57   
danke für das tolle feedback :).

na klar, jin. da haben wir ihn doch getroffen und interviewed ;).
  #7   jiN 12.11.2008 22:48   
Schönes Interview :)
Pic is von der Heavens Gate Party, oda?^^
  #6   NOiZEE 12.11.2008 22:15   
Meine Güte, ich bin platt! Ein fantastisches Interview und ich hoffe, da kommen bald mehr!!
  #5   Trippy 12.11.2008 22:02   
Ich poste das mal lieber hier, auf der News schreibt sowieso jeder nur "nice und "cool"
Sehr schönes Interview ! Man merkt, dass ihr euch drauf Vorbereitet habt, das ist immer ein ganz wichtiger Teil.
Aus dem Interview kann man wirklich einiges herausinterpretieren. Roland ist jemand, der ist wie er ist, und er lässt sich von keinem Vorschreiben wie er zu seien hat. (Siehe Antwort zu Verena: Deine neue Single „Embrace Me“ ist komplett anders als „Dirty Rocker“. Was ist deine Inspiration für deine Tracks?)
Er redet offen und ehrlich, seine Antworten sind sehr informativ, bei diesem Interview stimmt es bei beiden Seiten.
Fazit: Sehr gutes Interview :-)
  #4   Blue Moon 12.11.2008 21:30   
Schönes Interview Rena, vor allem nicht die 0815 Fragen, wie man sie von Bravo, Sunshine und Co kennt...bissel in die Tiefe, den Mensch gehend, well done, weiter so.
  #3   Pascal Saphira 12.11.2008 21:04   
hast du sehr schön gemacht, mein schatzilein *stolz guck*
  #2   Tyten 12.11.2008 21:02   
ach damne das ich nicht dabei ware, ärgere mich immer noch =/
schönes Interview rena :D
  #1   milcine 12.11.2008 21:01   
es war sooo toll, ronald van gelderen zu treffen :) vielen dank an hcr und natürlich an ronald und melanie =)!




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