Playlist mit Mixed Styles





Interview mit Alec Troniq




  • Hallo Alec! Danke, dass Du dir Zeit für uns nimmst. Du bist ja im Frühjahr durch Mexiko getourt, magst Du uns mal deine Eindrücke von dort beschreiben?
Ausgelassene Parties mit Pioniergeist, heiß, scharf, viel Tequila & Mezcal und eine Menge wunderbar verpeilter Amigos ;) Eine strukturierte Szene mit solcher Musik wie meiner, gibt es in Mexiko kaum. Das macht Gigs dort natürlich unglaublich spannend und birgt viele Überraschungen.
  • Abgesehen von Deinen Auftritten in Mexiko warst Du diesen Sommer ja auch viel in Deutschland unterwegs: Ist Dir vielleicht ein Gig, Club oder Festival besonders in Erinnerung geblieben?
Bei so vielen kribbelnden Momenten ist es schwer, den Besten zu benennen. Gute Parties zeichnen sich ja mehr durch gute Stimmung als durch Größe aus. Bei den Clubgigs haben sich besonders unser eigenes Labelevent Ipoly Ravin' im Sektor Dresden und auch die Nacht im Nürnberger Hirsch mit Nico Pusch in meinem Kopf festgesetzt. In meiner Open Air Saison sind das Freischwimmer Festival im Schwabenländle, das Moxxom an der polnischen Grenze und der Blütenzauber bei Berlin unvergesslich.
  • Du bist ja nicht nur Künstler, sondern auch einer der Gründer von Ipoly Music. Kannst Du uns mal aus deiner Sicht erklären was Dich / Euch bewogen hat, den Schritt zum eigenen Label zu gehen?
Vor allem die Selbstbestimmung über die Musik, die Optik der Releases und die Label-Linie. Ich habe auch auf sehr vielen anderen großartigen Labels veröffentlicht. Dort liegt es aber in der Natur der Sache, dass die künstlerische Aussage letztlich immer vom Geschmack und Konzept deren Betreiber beeinflusst wird. Ich will selbst aber unbedingt vom Gesamtpaket meines eigenen Releases richtig begeistert sein, wir hegen diesen Anspruch an uns selbst. Wir hauen nix raus, was es schon gibt. Etwas ungewöhnlich und neuartig soll's immer sein. Lieber polarisiert unsere Musik, als einfach nur „ganz nett“ zu wirken – auf die Gefahr hin, den Einen oder Anderen zu überfordern. Wir sehen uns als Live-Acts auch nicht in der Tradition, in der oft Tracks nur für DJs produziert werden, die in erster Linie praktisch aufzulegen sind. Jedenfalls bewirkt dieses Selbstverständnis für uns einen großen Erfolg, mittlerweile im fünften Jahr.
  • Auf den DJ-Plattformen findet man Eure Releases meistens nicht nur digital, sondern vielmehr auch – häufig sogar vorher – auf Vinyl. Hat die Vinyl für Euch als Label und für Dich als Künstler eine besondere Bedeutung oder wollt ihr damit gerade auch den eher klassischen DJ ansprechen?
Anfangs haben DJs die Schallplatten noch zum Auflegen gebraucht und ein Clubmusik-Release war ohne Vinylpressung quasi nichts wert. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet und die Platte wird zur Seltenheit. Aber einerseits ist das Auflegen mit Vinyl etwas anspruchsvoller und macht deswegen auch mehr Spaß, auf den Viele nicht verzichten wollen. Andererseits wollen Musikfans ihre Lieblinge wieder besitzen, in der Hand halten, an die Wand hängen oder in ihrer Musiksammlung stöbern – inklusive liebevoll gestalteter Covers und Gimmicks. So was zeigt man auch mal seinen Freunden. Auf eine Festplatte voller Piraten-MP3s ist dagegen niemand stolz – schon gar nicht als DJ. Aber ich muss sagen: auch mit gekauften MP3s lässt es sich digital mit bestem Gewissen und Freude auflegen.
Übrigens war es bis vor Kurzem nicht üblich, dem Vinylkäufer das komplette Release (plus Bonus) via Download-Code gratis zur Verfügung zu stellen. Nachdem wir mit unserem Vertrieb ein System dafür entwickelt haben, haben uns das viele Vinyllabels gleich getan. Ich glaube, solch eine Entwicklung freut alle.
  • Ihr habt gerade „Sub Aquers“, die erste Ipoly-Vinyl, als Repress zurück in die Stores gebracht. War die Nachfrage so groß, oder gab es da noch andere Beweggründe?
Wenn eine Platte ausverkauft ist und eine bestimmte Zahl von Bestellungen eingetroffen ist, machen wir Nachpressungen. Das passiert regelmäßig. Deswegen lohnt es sich für Vinylkäufer immer, Platten vorzubestellen, die derzeit nicht in den Shops verfügbar sind.
Aber die IPOLY 001 liegt uns natürlich auch wegen ihres außergewöhnlichen Charakters am Herzen, der 2008 eine klare Ansage gegen den Einheitssound in den Clubs war, für mehr Musik und Spielfreude, für mutige DJs und Liebhaber.
  • Dein Sound auf der „Sub Aquers“ wirkt noch weniger verspielt als auf der „Uncrufter 3000“ oder der „Pimpernuckel“. Kannst Du selbst beschreiben, wie sich Dein Sound in den letzten Jahren verändert hat?
Diese experimentelle und naive Verspieltheit ist wahrscheinlich die einzige Konstante in meiner Musik. Ansonsten treibt mich eine permanente Weiterentwicklung an. Anfangs war meine Musik sehr melancholisch und deep. Bei der „Uncrufter“-Serie ging's dann eher um melodisch treibenden und groovenden Techno.  Mit den darauf folgenden EPs „Rueffel“, „Pimpernuckel“ und „Fluffernutter“ hatte ich definitiv eine ausgeprägte Gute-Laune-Phase. Und im Moment mag ich's wieder emotional und dreckiger, wie auf meiner letzten EP „Mind Mill“ auf Broque und auch in nächster Zukunft zu hören.
  • Mit einem Blick in die Zukunft, was können wir in nächster Zeit von Dir noch erwarten und wie siehst Du die Gesamtentwicklung der Szene in der nächsten Zeit?
Von mir kann man wahrscheinlich erwarten, dass ich meine Musik weiterhin immer wieder neu erfinde und dabei insgesamt ständig irgendwie ein Bisschen „anders“ klinge. Ich mache Musik ja wie ein spielendes Kleinkind. Dafür experimentiere ich auch viel mit Musikern aus ganz anderen Genres.
Wohin die ganze Herde in Zukunft ziehen wird, kann und will ich gar nicht sagen. Ich freue mich als leidenschaftlicher Musiker vor allem darüber, dass der Musikgeschmack so open-minded und vielfältig wie jetzt ist. Und über Lust auf gute, echte Musik und superheiße, verschwitzte, ekstatische Parties. Das ist die Essenz, auf die es hinter aller Blenderei letztlich ankommt.
  • Du selbst trittst nur als Live-Act in Erscheinung, wieso eigentlich?
Weil ich dabei kräftig zu tun und beim Spielen viel mehr Spaß habe. Die grundlegenden Themen der Stücke sind vorbereitet, der Rest wird live auf der Party „produziert“. Das merkt auch das Publikum, mit dem man auf diese Art live interagieren kann. Dabei spiele ich ausschließlich meine eigenen Kompositionen. Ich kann beim Live-Act neue Dinge ausprobieren und nicht selten landen Ergebnisse davon auf Platte.
Aber manchmal, wenn ich meine eigene Musik nicht mehr hören kann, macht mir normales DJing mit Musik anderer Künstler auch mal Spaß :)
  • Vielen Dank noch mal, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast. Bevor ich jetzt aber zum Schluss komme, würde ich dich noch bitten, die folgenden Sätze zu vervollständigen. 
  • Ein guter Tag beginnt für mich mit... einem kräftigen Kaffee und neuen Ideen, die ich sofort umsetze.
  • Wenn ich selber einmal feiern möchte, gehe ich... auf schmutzige Parties in geheimen Locations.
  • Mein Lieblingstrack ist derzeit... Jon Hopkins' „Open Eye Signal“ in harter Konkurrenz zu Super Flus „Va Ga Va Ga“ und Andhims „The Wizard Of Us“.
  • Neue Musik kaufe ich mir am liebsten... im totalen Kaufrausch!

 



Alec Troniq im Web  
Alec Troniq auf Facebook  
Zum ClubTime.FM Sendeplan Grafik: derFlo
Am 12.09.2013 um 17:00 Uhr von derFlo


Diese News merken:


Um einen Kommentar zu verfassen musst du eingeloggt sein

HINWEIS:
Es werden ab sofort die neuesten Newskommentare zuerst angezeigt!

  #1   Blue Moon 12.09.2013 17:35   
Schön frei Schnautze, nicht nach Schema vom Management vorgefertigte abfrühstück Nonsense Antworten. Schön zu lesen.




Bookmarks