Playlist mit Mixed Styles

Pulsedriver - Set U Free
Tracks




Interview mit Umek




  • Hey Umek, als erstes möchte ich mich gerne im Namen von ganz We aRe oNe bedanken, dass du nötige Zeit gefunden hast, dieses Interview durchzuführen. Du warst bekannt für deine legendären 3-Turntable-Sets, welche du mit Effekten untermalt hast. Heute bist du jedoch auf Digitaltechnik umgestiegen und legst deine Sets mit Midicontroller und Ableton Live auf. Was war der entscheidende Punkt, auf Digitaltechnik umzusteigen und vermisst du es manchmal, wieder deine Sets mit 3 Plattenspieler aufzulegen?
Nein, nicht wirklich. Ich benutze meine Plattenspieler nur, wenn ich ein paar alte Melodien, die ich nur nur auf Vinyl habe, oder den alten analogen Sound hören will. Möglicherweise hat das sogar nichts mit dem analogen Ton zu tun, es ist mehr das alte Gefühl, die Platte aus dem Vinylsleeve zu ziehen, sie abzuwischen und die Nadel aufzulegen. Aber ich verspüre nicht das Bedürfnis, zeitgenössische Musik auf dem klassischen Drei-Plattenspieler Setup zu spielen. Die Vinyl wurde so rar in der Musikindustrie, dass ich mich künstlerisch einengen würde, wenn ich nur Musik spielen würde, die auf Vinyl herauskommt und nicht auf das Digitale Set umgestiegen wäre. Ich bin ein Avantgarde Künstler und Mensch, der sich stets auf neue Dinge fokussiert. Ich spiele eine Menge neue Melodien in jedem Set - und das meiste dieser Musik gibt es nur in digitaler, unkörperlicher Form. Neue Technologien erlauben mir auch die Musik auf eine Art zu manipulieren und zu mischen, wie ich es mit meinem alten Setup nie hätte tun können. Die Vinyl kann nicht mit der heutigen Software mithalten. Ich bin nicht einer von diesen Leuten, die keine neue Technologien annehmen und in den neunziger Jahren fest stecken und sich nur auf den Oldies-Goldies-Partys amüsieren. Das ist genauso wie im klassischem Rock bei den Rolling Stones und anderen Bands. Viele nehmen sich nicht die Zeit, alle guten zeitgemäßen Rockbands anzuhören, die diesen Sound und die Performance weiterentwickeln. Eine andere Sache ist, dass die Diskjockeys, die an den Turntables auflegen, heutzutage so selten sind, dass die meisten Clubs die Grammophone selbst nicht mehr führen und die meisten Club-Sound-Systeme eine Feinabstimmung für den digitalen Ton haben. Mir ist schon einige Male aufgefallen, dass der DJ nach mir mit seinem klassischen Setup es nicht geschafft hat, die gleiche Soundqualität zu bringen.
  • In den 90er Jahren hast du dir einen Namen durch zahlreiche eigene Veranstaltungen in deinem Heimatland Slowenien gemacht. Dort trug deine Arbeit auch wesentlich zur Popularität des Techno-Musikstils bei und du konntest somit deinen Bekanntheitsgrad steigern. Wie sahen diese Techno-Partys aus und wie lautete das Geheimnis, dass sie zu so einem erfolgreichen Bestandteil der Region wurden?

Das ist eine häufig gestellte Frage und ich habe sie etwa hundert mal schon beantwortet , also bitte nicht übel nehmen für die sehr kurze Antwort. Im Allgemeinen haben wir unsere Szene von Grund auf aufbauen müssen. In den frühen 90er Jahren hatten wir keine Musik-Industrie, von anständigen Musik-Shops bis hin zur gesamten Infrastruktur für die Organisation von Partys. Wir waren häufig auf den großen Festivals in Deutschland und da reifte in uns eine Idee, so etwas in unseren Hinterhöfen zu schaffen. Wir begannen mit der Party in einer Feuerwehr-Halle in Ljubljana, die eine wirkliche Katastrophe war, da wir uns nicht mal die Reinigung des Gebäudes leisten konnten und somit alles selber machen mussten. Aber die Saat wurde gesät und die Szene begann zu wachsen. In den weiteren Jahren organisierten wir einige sehr erfolgreiche Indoor- und Outdoor Raves, vor allem in den Industrie- und Ausstellungshallen sowie im Freien. Es hat viel Spaß gemacht, wir improvisierten viel, wir hatten ein bisschen Ärger mit dem Gesetz, aber nichts Ernstes, wir gewannen sehr schnell viele junge Leute, aber wir wurden nicht immer sehr herzlich von den Einheimischen begrüßt. In einigen Jahren wuchs die Szene und wir sammelten alle notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten, und so wurde aus der Organisation von Partys und Festivals eine professionelle Sache. Wir haben damit begonnen, internationale Stars zu veröffentlichen und heute sind wir mehr oder weniger der entwickelte Markt, wenn auch sehr klein aber dafür besonders.
  • Consumer Recreation, Recycled Loops und Astrodisco waren deine ersten eigenen Labels, an denen du deine Tracks & EPs veröffentlicht hast. Nun bist du Besitzer deines eigenen Labels mit dem Namen "1605" (sixteenofive), welches in der Anfangszeit enorm viel Zeit und künstlerische Energie kostete. Jedoch hat sich der große Aufwand gelohnt, dein Label ist nun ein fester Bestandteil der weltweiten Techno Szene und begeistert viele Menschen mit immer wieder kreativen Veröffentlichungen. Als du dieses Musiklabel gegründet hast, was wolltest du damit bewirken und was für ein Konzept steckte hinter diesem Projekt?
Eine kleine Korrektur: Ich habe meine ersten Platten auf etablierten westlichen Labels veröffentlicht und das Projekt begann erst zwei Jahre später. Consumer Recreation war mein eigenes Label & Recycled Loops war ein gemeinsames Projekt mit Valentino Kanzyani. Ebenfalls war ich einer der Gründungsmitglieder des Astrodisco Projektes, jedoch haben drei andere Jungs die meiste Arbeit auf sich genommen. Ich war meistens mit meinem Namen und der Marke beteiligt um die Anerkennung und Förderung zu steigern. Der Startschuss von meinem neuesten Label 1605 vor vier Jahren, fiel mit der Neudefinition meines Sounds. In dieser Zeit bin ich auf digitale Geräte im Studio und bei Auftritten umgestiegen und ich trennte mich künstlerisch von Valentino und somit schlossen wir Recycled Loops, um etwas neuartiges zu beginnen. Das 1605-Projekt, das Label und das ganze Netzwerk um ihn herum ist sehr persönlich, darum ist es natürlich kein Zufall, dass ich es nach meinem Geburtsdatum, den 16. Mai, benannt habe. Ich begebe mich in dieses Projekt, leite es mit einem Team, aber die ganze Kreativität und die wichtigen Entscheidungen übernehme ich. Ich bin zufrieden mit der Entwicklung dieses Projekts. Wir hatten eine Idee, die wir ins Leben gerufen haben, aber ehrlich gesagt glaubte niemand, dass es so schnell passiert.

Beziehungsweise: Sie haben das Thema der klassischen vs. digitalen Setups oberhalb eröffnet. Am Beispiel von 1605 können wir diese Diskussion in den Bereich der Musikindustrie weiterführen. Vinyl war ein guter Filter, es wurde nicht alles auf Vinyl gepresst, da es Geld kostete. Deshalb musste man in der Lage sein, die selbst produzierten Releases zu verkaufen. Die andere Seite dieser Geschichte ist, dass auf diese Weise eine Menge guter Musik nie in der Vergangenheit veröffentlicht wurde. Du brauchtest einen Label-Manager, Designer, PR-Mann und jemand, der deine Records hergestellt hat... Heute übernimmt das ein Labelmanager, von der Auswahl bis hin zur Promotion, dem Design und Marketing. So sind wir in der Lage, mehr Musik zu veröffentlichen und ich bin fest davon überzeugt, dass auf diese Weise noch mehr gute Musik zur Verfügung steht, aber man muss viel mehr Zeit damit verbringen, sie zu finden weil es auch viel Mist gibt. Wir von 1605 sind sehr produktiv und veröffentlichen sehr vieles, zudem veröffentlichen wir jedes Jahr ca. 10 Vinyl-Releases von unseren Verkaufsschlagern. Das machen wir extra für die Diskjockeys, die noch Musik auf klassischen Grammophonen auflegen. Versteh mich nicht falsch, ich mag Vinyl, es ist nur so, dass es oftmals nicht sinnvoll ist, denn die meiste Musik, die ich mag, wird digital veröffentlicht. Aber solange es DJs gibt, die mit Vinyl spielen, so lange werden wir weiterhin die besten Releases aus unserem Katalog auf Vinyl herausbringen. Musik ist dafür da, dass Menschen sie genießen, Spaß damit haben und sie spielen. Und das sollte nicht durch die Medien begrenzt werden.
  • Unter anderem hast du in deiner DJ-Karriere schon etliche Nominierungen und Preise auf Wettbewerben, wie zum Beispiel bei den Beatport Welt Music Awards oder DJ MAG, gewonnen. Hättest du dir denken können, dass du dir später mal deinen Lebensunterhalt mit der Musik verdienst und einmal so weit kommen würdest?
Ich hatte mir gewünscht, es eines Tages zu schaffen. Ich habe aufgehört Basketball zu spielen als ich in die Nationalmannschaft eingeladen wurde und verließ die HighSchool nur, um mich auf die Musik zu konzentrieren, um ein berühmter, internationaler DJ zu werden. Und ich bin froh, dass es zu meinem Beruf wurde und ich davon nun leben kann. Aber ich hätte auf jeden Fall trotzdem weitergemacht, falls ich nicht genug verdient hätte um es professionell zu tun. Dann wäre es eben mein Hobby. Ich mag es. Und ich bin froh, dass ich mein ganzes Leben auf die Musik konzentrierte und ein menschenwürdiges Leben aus ihr heraus entstanden ist. Und das macht mich zum glücklichsten Menschen auf dem Planeten. :-)
  • Mittlerweile hast du schon Besucher der MayDay, Time Warp, Nature One, Loveparade und vielen anderen Veranstaltungen beglückt. Welches Event war dein persönlicher Favorit und wieso machte es diese Party zu einem Moment, den du niemals mehr vergessen wirst?
Ich mag nie diese Frage beantworten, da ich all die Jahre keine wirklich schlechte Erfahrung auf Festivals gesammelt habe. Aber wenn ich gezwungen wäre, einen Ort zu nennen, dann trifft die Auswahl den Club Row 14 in Barcelona. Es ist ein großer und sehr beliebter After-Party-Club mit erstaunlicher Energie. Ob du dort um 10 Uhr oder 14 Uhr eincheckst, die Energie ist immer wieder überwältigend. Ich habe dort drei oder vier Mal im vergangenen Jahr gespielt, was für mich nicht sehr häufig ist, und jedes Mal hatte ich eine wundervolle Zeit. Und das Lustige daran ist, dass ich nicht einmal selbst ein After-Party DJ bin. Ich habe das alles in der Vergangenheit gemacht, All-Nighters, After-Parties und all diese Späße. Aber heutzutage ziehe ich es vor, zwei Stunden lang zu spielen und meine ganze kreative Energie in jene zwei Stunden zu packen. Ich bin ein systematischer Mensch  und ich muss im Voraus wissen, wie lange ich spielen werde, um das Beste daraus zu machen und nur meine aktuellen Favoriten aufzulegen. Es gibt kein Problem wenn ich weitere zwei Stunden auflege, aber ich möchte es am Anfang des Sets wissen und somit kann ich mich auch eine andere Seite zeigen, win wenig Tech-House spielen oder das Set ganz anders und vielfältiger gestalten. Ich beherrsche Sprint und Marathon, aber zwei Stunden ist die beste Set-Länge für mich. Ich bewundere Leute wie Sven, der für 12 Stunden hinter dem Mischpult bleiben kann. Ich war früher  Resident Deejay und tat es ohne Probleme, aber jetzt kann ich die ganze Geschichte wie diese in zwei Stunden zu erzählen. Ich spiele viel Musik, viel Loops und Sounds, deshalb sind meine Sets sehr vielseitig und wahrliche Musikknüller, obwohl sie nicht in Bezug auf die Dauer episch sind.
  • Du bist sehr oft in ganz Europa unterwegs und hast sogar schon Tourneen in den USA und in Australien gemacht. Hast du trotz des straffen Terminplans noch Freizeit um dich um Hobbys, Freunde, Familie oder andere Dinge zu kümmern?
Ich schätze Zeit, die ich zu Hause aufwenden kann, immer mehr. Ich bin Slowenien zugeneigt. Ich habe vor ein paar Tagen mit meinem Reiseagenten über das Geld gesprochen, welches ich auf Reisen hin und zurück von den Gigs aufbrauche. Es wäre viel billiger und bequemer für mich, wenn ich irgendwo im westlichen Europa gewohnt hätte. Aber obwohl ich viel mehr Zeit in Flugzeugen verbringe, die ich wirklich hasse, oder im Auto oder in Flughafenterminals schlafe, das ist es wert. Die Qualität des Lebens in Slowenien ist viel höher, als die in den großen Städten im Westen. Und ja, ich vermisse meine Familie und Freunde, wenn ich auf Tour bin, aber dann denke ich, wie sie sich wahrscheinlich langweilen zu Hause und das Wochenende für Wochenende. :-)
  • Seit neustem hast du sogar eine eigene regelmäßige Radioshow, die mit dem Namen "Behind The Iron Curtain" auf HouseTime.FM zu hören sein wird. Erzähle uns, was die Zuhörer auf dem Stream alles erwarten wird?
Das ist die Präsentation von meinem Sound und dem Sound der 1605-Familie. Es gibt viele Radiosendungen, die durch große kommerzielle Künstler, Labels und Marken veranstaltet werden, aber es sollte auf jeden Fall mehr Shows geben, die dem Techno gewidmet sind. Es gibt einige wirklich gute, aber diese sind immer noch eine Minderheit. Ich glaube, dass die eingebundenen Künstler der 1605 Musiktherapie in der Lage sind, eine Menge qualitative und hochwertige Musik für die Show zur Verfügung zu stellen. Obwohl das 1605-Projekt breit gefächert ist, wird sich die Radio-Show zumindest teilweise explizit auf die Künstler aus dem westlichen Balkan und dem Rest aus Osteuropa konzentrieren. Hier seid ihr in der Lage, alle 1605-Releases zu hören und jede Woche werde ich versuchen, ein oder zwei Künstler vom Osten vorzustellen. Vor allem, weil solche Künstler aus diesem Teil der Welt sind und immer als Künstler aus den Dritte-(Musik-)-Welt-Ländern behandelt werden. Traurig aber wahr, es gibt einen Unterschied zwischen dem Medieninteresse, das auf westliche und östliche Künstler gerichtet wird und es hat nichts mit der Qualität der Musik, die produziert und gespielt wird, zu tun. Da ich die Möglichkeit habe, einige der Künstler zu präsentieren, die ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdienen, plane ich das auch in meiner neuen Radioshow. Es gibt so viel Musik mit echter Qualität, die in dieser Region produziert wird, dass es eine Schande sein würde, sie nicht zu spielen. Und deshalb haben wir die Show den Titel "Behind The Iron Curtain" (Hinter dem eisernen Vorhang) gegeben. Der Vorhang kann in politischen Sinne sein, viel mehr Bedeutung hat er jedoch in großen Teilen von Veranstaltungen, Musik und der Medienindustrie.
  • Vielen Dank für die aufgebrachte Zeit um diese Fragen zu beantworten. Wir wünschen dir noch alles Gute für deine weitere Musikkarriere als auch in deinem Privatleben.


Umek.si
1605 - Music Therapy Grafik: Pille
Zum HouseTime.FM Sendeplan English Version
Am 28.07.2011 um 18:00 Uhr von Pille


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  #4   gerCore 29.07.2011 21:02   
zu faul zum lesen,

aber das was ich bis jetz gesehen habe war extrem nice :-)
  #3   fanaticsx3 29.07.2011 13:25   
endlich mal wieder ein Grund einzuschalten !
super !
  #2   Bjoern Bender 28.07.2011 22:51   
super ausführliches interview und ich freue mich sohon auf die regelmäßige sendung! ich denke es wird eine doch sehr hörenswerte abwechslung für housetime sein und zeigt auch das techno & tech house auch definitiv big room tauglich ist!
  #1   Blue Moon 28.07.2011 18:12   
Sehr interessantes Interview, Phil, danke dafür. Auf die Show freu ich mich, und ich denke, daß wir stolz sein können, so ein Format präsentieren zu dürfen. Ebenso genial ist es, mal die andere Seite des europäischen Landes zu hören, und was dort produziert wird.




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