Playlist mit Mixed Styles





Interview mit Carl Cox




  • Der Name Carl Cox steht für einen ausgezeichneten Klang und erstklassigen Techno. Was genau hat in dir die Leidenschaft für die elektronische Musik geweckt, wenngleich deine Kindheit von Jazzmusik und Funk-Legenden erfüllt war?
Carl Cox: Die Sache ist die, als ich begonnen habe Musik zu machen, gab es schlichtweg noch keine Computer, es hing alles vom eigenen musikalischen Können ab. Der eine spielte Bass, der andere Schlagzeug und wieder ein anderer spielte Gitarre, erst aus der Fusion dieser Elemente war es damals möglich, einen besonderen Klang zu erzeugen, sei es Soul oder Jazz. Erst in den späten 60ern, den 70ern bishin zu den 80ern, als sich alles mehr und mehr elektronisch wandelte, bestand die Möglichkeit, elektronische Musik zu produzieren, doch selbst dabei bedarf es heute noch an Musikern. Neben meiner Begeisterung für Technik habe ich mich immer mit den Fragen “Was ist die Musik von morgen?", "Was wird sich ändern?” beschäftigt und dementsprechend war ich auch einer der ersten Deejays, die Acid House und im Allgemeinen House gespielt haben. Das war sozusagen der Punkt in meinem Leben, der Carl Cox in der Musikszene definierte.
  • Carl, tausende Fans der elektronischen Musik feiern ausgelassen zu deiner Musik auf Festivals. Was fühlst du, wenn du all diese Menschen siehst, die bis in die frühen Morgenstunden zu deiner Musik tanzen?
Carl Cox: Seit vielen Jahren ist mein Anliegen, dass die Leute meine Musik genießen. Meine Fans verlangen natürlich von mir, ihnen nur das Allerbeste zu präsentieren und darauf können sie auch vertrauen, denn ich spiele auch nur das Allerbeste. Ich möchte sicherstellen, dass die Leute eine außergewöhnliche Zeit erleben, wenn sie meine Musik hören. Einen wirklich prägenden Moment erlebte ich zwischen 2001 und 2002, als ich vor einer Menge von 1,8 Millionen Menschen auf der Loveparade in Berlin auftreten durfte. Das war etwas, das ich nie erwartet hätte, jemals zu tun. Ich komme aus einer kleinen Stadt, habe dort auf Geburtstagen oder in kleinen Discos aufgelegt vor vielleicht 100 bis 150 Leuten und nun, 25 Jahre später, spiele ich vor 1,8 Millionen. Dieser Erfolg in meinem Leben ist für kein Geld der Welt zu haben.
  • Du bist bekannt für deine besonderen Auftritte mit drei Plattenspielern anstelle der konventionellen Methode von zweien. Was hat dich dazu bewegt, diese Tradition zu brechen?
Carl Cox: Ich war viele Jahre lang zu Hause und habe mit zwei Plattenspielern geübt und gespielt. Drei Plattenspieler zu benutzen ist natürlich auch möglich und dies war damit der Weg für mich, mich von anderen Künstlern zu unterscheiden und das 'live mixing' zu perfektionieren. Somit ist die Fähigkeit, bestimmte Werke zu kreieren, die die Leute lieben, und eben diese gut zu mischen, genau jenes, was den typischen Klang von Carl Cox ausmacht.
  • Einmal ganz persönlich: Wie siehst du die Entwicklung der elektronischen Musik seit den 90ern? Ist die fortschreitende Kommerzialisierung ein negatives Phänomen, das die Individualität stückweise verdrängt, oder ist Kommerzialisierung eher ein Medium, um gute Musik zu verbreiten?
Carl Cox: Die Sache ist die: Wenn es etwas gibt, das die Leute wirklich mögen, gibt es auch immer jemanden, der daraus versucht, so viel Profit wie möglich zu schlagen. Ich persönlich als Individuum, das schon immer eine Vorliebe für Musik hatte, habe nicht die Absicht, einen Nummer-eins-Hit zu landen oder ein Nummer-eins-Video auf MTV zu veröffentlichen, oder dass meine Musik im Radio läuft. Mein Ziel ist lediglich, den Menschen die allerbeste Zeit ihres Lebens mit der allerbesten Musik zu geben, sei es nun Breakbeat, Drum 'n' Bass, Dubstep, Electro, Tech House oder Latin House. Was nun Künstler wie die Black Eyed Peas oder Ne-Yo anbelangt, so vertreten sie nur das kommerzielle Ende des Spektrums der Musik, die ich vor vielen Jahren selbst noch gut fand. Diese Art von Musik wird immer ein Teil des kommerziellen 'Overgrounds' sein, für mich ist jedoch der 'Underground' der Ort, an dem die Party steigt, denn dort ist es auch möglich, die Bewegung in Bewegung zu halten, vor allem wenn es um Minimal, Dubstep oder Drum 'n' Bass geht. Diese Musik mündet immer in etwas Kreativem und das ist so besonders an dieser Szene, denn diejenigen, die die Musik produzieren wollen, komponieren Musik, an die sie selbst glauben und nicht um irgendeinen kommerziellen Erfolg damit zu landen. Ich habe es bis hierher gebracht ohne einen Hit zu landen und ich bin glücklich und stolz darauf, dass ich immer für die Dinge stand, an die ich auch geglaubt habe.
  • Du wurdest in den letzten Jahren mehrmals mit dem Titel “bester DJ der Welt” ausgezeichnet. Bestätigen dich diese Auszeichnungen in deinem Leben als Künstler, siehst du das Deejaying und Produzieren von Musik als deine Berufung?
Carl Cox: Das ist nun irgendwie bizarr, ich hab mich nie als die Nummer eins gesehen. Alles, was ich bis jetzt getan habe, ist als Deejay für viele Jahre zu bestehen. Egal wie viele Leute auf einer Party von Carl Cox sind, 20 oder 20.000, ich habe immer versucht, ihnen einen besonderen Moment zu geben. Die Leute entscheiden mit ihren Füßen und das finde ich fantastisch, denn wenn ich mit meiner Musik auf die Tanzflächen gehe und die Menschen zufrieden sind, so zeigen sie mir damit, dass ich meine Arbeit auch gut gemacht habe. Die Nummer eins zu sein ist für mich persönlich nicht wirklich wichtig.
  • Und wie sieht es mit der Zukunft aus? Hast du schon einmal an irgendeine Art von Ruhestand gedacht?
Carl Cox: Ja natürlich! Ich meine, ich habe so viel aufgegeben, um der zu sein, der ich heute bin, worüber ich mich aber auch gar nicht beschweren möchte. Ich bin nun aktiver Deejay seit 32 Jahren, ich habe die letzten 23 Jahre nichts anderes gemacht, als jedes Wochenende House und Techno aufzulegen. Meine Familie, meine Freunde und Beziehungen haben dabei eine untergeordnete Rolle gespielt. Um das auszugleichen, muss ich mich etwas aus dem Deejaying zurückziehen, um ein anderes Leben leben zu können, das ich meiner Meinung nach auch haben sollte. Aber im Moment steht ein neues Album bevor, das bald veröffentlicht wird. Mein Radio “Global” mit momentan mehr als 10 Millionen Zuhörern wächst stetig, auch mein Label “Intec” entwickelt sich immer weiter und noch einiges mehr... Ich meine, wie soll man etwas beenden, das man liebt? Vielleicht sagt mir mein Körper irgendwann, dass Schluss damit ist. Aber im Moment ist noch alles gut, ich werde mich noch nicht ausruhen.

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch und natürlich alles Gute auf dem weiteren Lebensweg als Deejay!


Carl Cox Grafik: FlipMode
Am 16.06.2011 um 20:01 Uhr von Pia


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  #22   Kevin Sustain 07.07.2011 19:29   
Cooles Interview :)
  #21   ChilltBang96 28.06.2011 17:29   
Top :) Besonders seine Meinung zur Kommerzialisierung.
  #20   jemppom 27.06.2011 22:40   
Mann muss halt minimal zu schätzen wissen...während handsup eher zum totfeiern ist, dient minimal mehr dazu in eine Trance zu geraten und sich einfach von der Musik gehen zu lassen. Diese zwei Musiksorten kann man einfach nicht miteinander vergleichen, aber einen guten handsup track zu produzieren ist viel einfacher als einen guten minimal Track zu produzieren.
Achso btw; ich mag beide Musikgenres und finde das Interview mit Carl super (y) :)
  #19   TreslTheBest 24.06.2011 21:50   
also ich find die musik von dem zum einschlafen das was ich bereits gehört habe
ich steh eher auf harte sachen
  #18   Strelize 20.06.2011 23:12   
ja da muss ich jetzt Pain auch zustimmen.
so ist das.
  #17   Pain 20.06.2011 23:07   
also ich finde jeder der iwie Musik macht sei es Paul Kalkbrenner, Carl Cox ,Bangboy, Showtek oder sonst irgend ein DJ jeder liebt auf seine art und weise die Musik und jeder drückt es auf seine art und weise aus ob es nun Hands up, Hardstyle oder minimal ist

meine Meinung :)

LG Marcel
  #16   Strelize 20.06.2011 23:00   
das, was du mit treibend beschreiben willst, heißt einschläfern.
es gibt eben musikgenres mit spannenden Tracks, in denen passiert was, man kriegt was auf die Ohren und es wird nie eintönig.
und niemand erzählt mir dass dieser minimal oder techno kram NICHT eintönig sei. egal wo du hinspulst, es kommt jedes mal das gleiche und niemand von euch könnte sagen bei welcher min. und sek. man gerade im track ist :D ich hab mir bewusst nocheinmal ein paar zufällig gewählte tracks auf djshop angehört. und JEDES mal das gleiche. Eine bassline mit ein paar auf dauerreloop gestellten efekten. ab und zu verschwindet der bass und es wird kläglich versucht, so etwas wie spannung wie beim Trance aufzubauen. gleich danach kommt wieder die langweiligste bassline seit es elektronische Tanzmusik gibt. Bei aller liebe zur elektronischen Musik, aber sowas ist nicht mein fall :D Bis jetzt sind wir aus jedem schuppen, in dem so etwas gespielt wurde (man erkennt es sofort weil man denkt es läuft 15 min nur 1 Lied), aber sofort abgehauen ujnd zum nächsten gefahren :D:D
für mich ist handsup auch nicht kreativ, is hald immer ne einstimmige Melodie, aber die macht wenigstends was her.
aber das ist hald geschmackssache. Ich finde das so, ein anderer findet es nicht so.
  #15   Tobi x3 20.06.2011 18:53   
Man sollte mal Moby oder Fritz Kalkbrenner neben Basslovers United oder Dave Darell stellen, dann sagt mir wer kreativer in der Hinsicht ist. Ich mein Moby und Fritz Kalkbrenner. Und das mit Techno Minimal mit dem Trackaufbau ist nur Müll! Für mich ist sowas treibend und nicht nur dummes Rumgeheule wie Hands up (Meine Meinung) ;)

Grüße Tobi
  #14   Strelize 19.06.2011 23:13   
naja, ich denke man kann herauslesen, dass ich von dieser Musik nicht sehr begeistert bin ;)
  #13   Pille 19.06.2011 22:26   
@Strelize Das mit Techno/Minimal ist ziemlich schlecht beschrieben. Wenn nicht sogar absoluter Mist. Techno/Minimal ist sowas von Lebendig & Treibend und deine Beschreibung zum Trackaufbau ist auch nicht korrekt. ;)
  #12   Strelize 19.06.2011 22:12   
@Rian-g
Da hast du vollkommen Recht, HandsUp ist ja eig. schon eine Kommerzmusikrichtung. Aber es gibt auch (leider nur) wenige Artisten, die nicht nur covern und für Geld verkaufen wollen, sondern einfach schöne melodien etc. produziern. Und wenn außenstehende das dann hören, dann können die auch nix mit anfangen, sondern nur die, die diese Musik eben lieben. ältere scheiben gibts da mehrere.
Aber jeder hört eben das, was er gut findet. :) so is das. ein handsup track hat klar ein typisches schema, ja, da haste recht. aber der künstler muss die Melodie und den Spannungsaufbau auch so umsetzen, dass der hörer denkt: hey, da geht was. verstehst du? Damit es einfach lebendig klingt. lebendig! so.
und jetzt nehmen wir einen Techno/minimal track.
nach 10 sek: bumm tschak bumm tschak
nach 2 min: bumm tschak bumm tschak
nach 5 min: bumm tschak bumm tschak
nach 8 min: bumm tschak bumm tschak
nach ner halben stunde schlaf ich ein. da kann ich auch 100 mal die Reloop taste an meinen CDJs drücken und schon hab ich sowas. also größtenteils :D:D und es gibt gewiss kreativere musikarten als das... ab zu nen effekt reinzuballern macht das zeug nicht gleich zur kreativeren Musik im vergleich zu handsup. ;)
  #11   Juister 19.06.2011 05:45   
Cok Güzel !
  #10   Cloud Seven 18.06.2011 01:34   
Ich kenn den namen nur von Hypa Hypa :D
  #9   Tobi x3 17.06.2011 18:46   
Ich finde es totaler schwachsinn was hier Infi oder Strelize schreiben.
Minimal wie es z.B. jetzt auch Paul Kalkbrenner und sein Bruder mac t find ich ganz und gar nicht langweilig. Für mich ist auch nicht Paul's neues Album Kommerz es ist das was er liebt. Nämlich seine EIGENE Musik zu machen. Nicht wie manche Hands Up oder House Künstler es machen, einfach irgendwelche Lieder zu covern.

Ist meine Meinung. ;)

Grüße Tobi
  #8   Infi 17.06.2011 13:58   
Sicherlich mag kreativ sein, aber es klingt langweilig.
HandsUp ist ganz sicher nicht kreativ, aber spannender.

Ist halt alles Geschmacksache =)
  #7   Florian Tuedelue 17.06.2011 11:40   
@Strelize

Ich möchte dich hiermit nich angreifen, jedoch:

"richtige handsup oder house artisten machen musik aus LIEBE und ÜBERZEUGUNG zu ihr."

- Das sehe ich überhaupt nicht so, Handsup ist auch Kommerzmusik, da wird fast nur noch gecovert, House ist zu breit gefächert, meinst du einen Dave Darrell, so ist das auch totaler Kommerz, meinst du jedoch einen Marco Carola oder nick Curly, ist das alles andere als Kommerz.

"anzweifeln möchte ich aber die worte der "kreativität" bei Minimal oder techno... "

- Dann sollte dir mal ein Producer zeigen, wie viel Kreativität in techno steckt, und wie viel in HandsUp, dann wirst du ganz ganz schnell sehen, dass HandsUp alles andere als kreativ ist.

Aber wie gesagt, fasse das nicht als Angriff auf, sondern als Hinweis, und meine Meinung (so wie auch wahrscheinlich vieler Anderer).
  #6   Pain 17.06.2011 01:22   
total schönes Interview ich glaube es würde total gut ankommen wenn carl cox mal auf housetime oder technobase auflegen würde also ich finde seine Musik richtig toll und könnte sie mir den ganzen tag anhören <3
  #5   Strelize 16.06.2011 22:24   
ein wahres statement von ihm zum Thema Kommerzmusik. Finde, dass der da den nagel auf den kopf getroffen hat!
Eine Rihanna oder ähnliche Kommerzmarionetten, die irgendwelche geschriebenen Texte bekommen um diese dann zu singen, sind keine Stars. die machen das für ERFOLG und GELD. richtige handsup oder house artisten machen musik aus LIEBE und ÜBERZEUGUNG zu ihr. und das finde ich, ist der richtige weg. Dann klingt das auch.
man kann gute musik nicht erzwingen, man muss die vorstellung von ihr in sich haben und diese dann ausdrücken.

anzweifeln möchte ich aber die worte der "kreativität" bei Minimal oder techno... :D das ist ja 6 minuten lang exakt das gleiche mit MINIMALEN Variationen etc. der bass, die töne, alle immer gleich. es ist zwar kreativität in seiner ganz eigenen weise, aber ich könnte mir sowas in ner disse keine 30 minuten anhören, ganz ehrlich :D
  #4   Blue Moon 16.06.2011 20:37   
Schönes Interview, schöne Aussagen, die ich zu hundert Prozent unterschreibe, er ist einer, der die Musik lebt, und das merkt man auch. Dabei nie abgehoben, sondern immer gut gelaunt, wenn man ihn sieht beim legen, merkt man das auch. Leider geht das bei dem Nachwuchs von heute immer mehr verloren, diese Liebe und Hingabe zur Musik, schade. Und 10 Millionen Hörer sind ne Ansage, und einmalig bleiben.....hoffen wir auf mehr von ihm. GroooOooOve on Carl!!!
  #3   Tonninski 16.06.2011 20:36   
Kann Basti nur zustimmen.

Super Interview! :)
Seiten (2): [1] 2




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