Die Bundesliga mausert sich zu einem Tummelplatz für internationale Stars. Vor allem in Gelsenkirchen, bei eben jenem Verein, der seit über 50 Jahren auf eine deutsche Meisterschaft wartet, geht das Starpotential ins Unermessliche. Den Preis dafür zahlen am Ende die Fans, und darüber hinaus - zumindest in Gelsenkirchen - die Steuerzahler.
Im Dezember 2009 war der FC Schalke 04, inzwischen wohl eher bekannt als FC Magath, mit rund
55,9 Millionen (55.900.000) Euro überschuldet. Die seinerzeit von Finanzexperten vermutete bevorstehende Insolvenz konnte der Revierverein nur durch eine Finanzspritze der Stadt Gelsenkirchen (selbst mit rund
600 Millionen Euro verschuldet) verhindert werden. Für
25,5 Millionen Euro sicherte sich die GEW rund 40 Prozent der Anteile an der Arena auf Schalke. Ein städtischer Eingriff in die Privatwirtschaft der, vor allem auch in anderen Fanszenen, für einen Aufschrei sorgte. Ohne diese Gelder der Stadt Gelsenkirchen jedoch wären die (Gruben-)Lichter beim FC Magath aber wohl bereits erloschen.
Um neue liquide Mittel zu akquirieren,

bediente sich der Arbeiterverein aus dem Gelsenkirchener Stadtteil Schalke auch „Tricks“, mit denen die Reviernachbarn aus Dortmund sich bereits in den „Vorraum der Pathologie“ katapultiert hatten. Besser sogar: Die Verantwortlichen des Traditionsvereins gehen sogar noch einen gewaltigen Schritt weiter, um die Transfer-Sucht ihres exzentrischen Cheftrainers mit den Allüren eines Halbgottes zu finanzieren.
Nachdem man, getreu dem Dortmunder Vorbild, sich das Gesamtvolumen der Vertragsverlängerung mit dem Ausrüster Adidas bereits mit Vertragsabschluss komplett hat auszahlen lassen, um Finanzlöcher zu stopfen, hat der Verein auch zukünftige Zuschauereinnahmen verpfändet, alles nur um die im Dezember 2009 drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Gelernt aus dem, was seinerzeit in Dortmund geschah, hat man auf Schalke nicht, nein, man geht sogar noch immer einen Schritt weiter, um neue liquide Mittel zu erwerben.

Rund
17 Millionen Euro hat der FC Schalke zuletzt durch die Verkäufe von Rafiniha und Westermann eingenommen, Geld, das jeder logisch denkende Geschäftsführer eines mit über
250 Millionen Euro verschuldeten Konzerns in die Sanierung eben jenes gesteckt hätte. Der FC Magath scheint dies aber nicht nötig zu haben, man will sich lieber über die dauerhafte Teilnahme an der Champions League sanieren. Um das zu schaffen schmeißt Felix Magath mit Geld gerade so um sich. Deutschlands angeblich bester Fußballtrainer, jener welcher in der vergangenen Saison von den Massenmedien noch für seinen Jugendstil gelobt wurde, investiert Millionen von Euros, die der Verein gar nicht hat, in Altstars und Reservisten, die bei den internationalen Spitzenclubs, wenn überhaupt, nur noch zweite oder gar dritte Wahl waren.
Dass ein deutscher Spitzenclub kurz vor Toresschluss auf dem Transfermarkt noch mal eben
27 Millionen Euro ausgibt, war bisher nur dem FC Bayern vorbehalten. Dort, und das ist der Unterschied zum FC Magath, ist aber auch Geld in ausreichenden Mengen vorhanden. Schalke hofft jetzt darauf, dass die willkürliche Ansammlung von Fußballern anfängt erfolgreich Fußball zu spielen und dabei bestenfalls noch ein paar Titel gewinnt. Dass dem nicht immer so ist, zeigte sich in der vergangenen Spielzeit an Real Madrid; in der spanischen Hauptstadt jubelten zuletzt nur die Fans von Atletico.
Klaas-Jan Huntelaar und José Manuel Jurado heißen die neusten Sargnägel, die sich Magath in seiner gottgleichen Art selbst in die, wohl recht spröde ausfallende, Holzkiste zimmert. Zwei Sargnägel, die zusammengenommen den letzten Aufschrei von Borussia Dortmund, Marcio Amoroso, noch übertreffen. Die Borussia wurde damals Meister, drei Jahre später stand sie vor dem Aus. Dortmunds Rettung war die Börsennotierung, der Verein konnte durch zwei Kapitalerhöhungen, die jeweils im vollen Umfang platziert wurden, die existenzbedrohende Situation abwenden, steht heute wirtschaftlich wieder auf gesunden Füßen. Dem FC Schalke ist diese Möglichkeit nicht gegeben. Ob der Verein den immer wahrscheinlicher werdenden finanziellen Kollaps überleben wird, ist zweifelhaft.
Am Ende wird sich auf Schalke wieder ein Bild zeigen, das man von den Knappen gewohnt sein dürfte. Eine Arena voller trauernder Fans. Fans, die nicht wegen einer verpassten Meisterschaft heulen, sondern weil ihr Verein verschwindet.