
Vom 14. bis 17. Oktober 2010 finden in der Medienstadt München die Jugendmedientage statt. Zum inzwischen neunten Mal treffen sich die Medienmacher von morgen, um gemeinsam zu diskutieren. Das zentrale Thema in diesem Jahr ist „Medien und Ökonomie“. Was sich hinter diesem Thema verbirgt, und wieso die Jugendmedientage 2010 in München so besonders sind, hat uns Pia Döhler, Projektleiterin der Jugendmedientage 2010, in einem Interview erklärt.
Hallo Pia, danke erst mal, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst.
Für alle, die sich noch nicht mit der Jugendpresse Deutschland befasst haben, kannst du mal erklären, was genau die Jugendmedientage sind?

Pia: „Die Jugendmedientage sind zunächst einmal ganz formal betrachtet der größte Kongress für Nachwuchsmedienmacher in Deutschland. 500 junge Menschen treffen sich, um gemeinsam ihren Idealen nachzueifern, kritisch die Wirklichkeit zu hinterfragen und sich über die schönste Branche der Welt auszutauschen: die Medien. Emotional betrachtet sind die Jugendmedientage aber vor allem eins: ein unvergessliches Erlebnis. Wer einmal dabei war, den packt das Fieber garantiert.“
Das Motto der Jugendmedientage 2010 ist „Mehr als 140 Zeichen“. Was genau verbirgt sich dahinter?
Pia: „Mehr als 140 Zeichen. Das spielt zum Einen auf die Digitalisierung im Medienbereich an, auf Schnelllebigkeit, immer kürzere, dafür immer mehr Informationen. Zum Anderen meint mehr als 140 Zeichen aber auch, dass 'Medien und Ökonomie' ein komplexes Thema ist, das eben nicht mit 140 Zeichen erklärbar ist.“
Was ist die Besonderheit an der Veranstaltung?
Pia: „Das Besondere an den Jugendmedientagen ist, dass sie von Jugendlichen für Jugendliche kommen. Über 100 ehrenamtliche Helfer sorgen am Ende vor Ort dafür, dass sich ihre Altersgenossen mit Profis aus Medien, Politik und Wirtschaft in Erzählcafés und Symposien direkt austauschen können, Einblicke in Redaktionen erhalten und selbst verschiedene Medienbereiche ausprobieren können. Dieses Engagement und das Herzblut haben sich bisher in jedem Jahr auf die Veranstaltung übertragen und lohnen sich einfach.“
An wen richten sich die Jugendmedientage?
Pia: „Die Jugendmedientage richten sich an Schülerzeitungsredakteure, Studenten, Volontäre und andere Berufsanfänger in Medienberufen. Anmelden können sich alle Jugendlichen zwischen 16 und 27 Jahren, die Fuß fassen wollen im Journalismus, PR, Medienmanagement, aber auch allen technischen Medienberufen.“
Warum engagierst du dich für die Jugendmedientage?
Pia: „Seit ich 2005 das erste Mal selbst an den Jugendmedientagen teilgenommen habe, war es ein großer Traum von mir, diese Veranstaltung eines Tages selbst zu organisieren. Nun, der Zeitpunkt ist da und mit jedem stressigen Tag, den die Jugendmedientage näher rücken, freue ich mich auf den Moment, wenn neugierige Teilnehmer über die Medienmesse zum Check-In laufen, und ich weiß, die schlaflosen Nächte, unzähligen E-Mails, Telefonate und Gespräche haben sich gelohnt – für mich, weil mich diese Aufgabe im Leben weitergebracht hat, und für die Teilnehmer, weil sie vier unvergessliche Tage voller Medien erleben konnten und mit dem Gemeinschaftsgefühl der Jugendmedientage im Gedächtnis ihren persönlichen Weg in die Medien vielleicht ein bisschen leichter finden werden.“
Weshalb ist deiner Meinung nach das Thema heutzutage so wichtig?
Pia: „Titelsterben, Kürzungen und Outsourcing stehen bei vielen Verlagen auf der Tagesordnung. In Zeiten zunehmenden Zeitdrucks und sinkender Anzeigeneinnahmen wird der ökonomische Kampf zusehends härter. Doch statt mit neuen Konzepten zu punkten und sich dem Zeitgeist zu stellen, verlieren sich viele Medienschaffende, Verleger und Politiker in sentimentalen Worten. Davon haben wir genug. Wir wollen Taten sehen und deshalb die Grundlagen für eine neue Ökonomie der Medien bei den Jugendmedientagen 2010 diskutieren – mit mehr als 140 Zeichen.“
Was erwartet die Teilnehmer auf den Jugendmedientagen? 
Pia: „Jugendmedientage, das heißt Gleichgesinnte kennenlernen, Themen kritisch hinterfragen und natürlich selber Medien machen. Für 55 Euro für Nichtmitglieder der Jugendpresse Deutschland beziehungsweise 45 Euro für Mitglieder erwarten die Teilnehmer vier Tage und drei Nächte volles Programm in mehr als 35 Workshops, 35 Medieneinblicken, 25 Erzählcafés, vier Symposien und mit jeder Menge Zusatzprogramm, das einige Überraschungen parat hält – Übernachtung, Verpflegung und Reisekosten inklusive. Zwei Tage werden wir dabei zu Gast auf den Medientagen München sein und zwei Tage in der Städtischen Berufsschule für Medienberufe in München-Moosach.“
Welche der vielen angebotenen Workshops, Medieneinblicke und Erzählcafés sind deine Favoriten und an welchen würdest du gerne selbst teilnehmen?
Pia: „Das ist gar nicht so einfach. Bei den Workshops müsste ich mich am Ende wohl zwischen dem Satireworkshop mit Extra3, dem Werbefilmworkshop mit Andreas Caemmerer von faraostudios – der unter anderem schon mit einem Film für den Grammy nominiert war -, dem Lichttechnikworkshop und dem Überschriftenworkshop mit BILD München entscheiden - man mag ja sagen und denken über BILD, was man will, aber Überschriften, das können sie einfach. Bei den Erzählcafés ist mein ganz persönlicher Favorit das Speeddating im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses und bei den Medieneinblicken würde ich mich wahrscheinlich für Welt der Wunder entscheiden. Gott sei Dank muss ich diese Wahl aber ja nicht treffen. Es sind einfach zu viele interessante Programmpunkte dabei. Wobei es natürlich auch kein gutes Zeichen für die Veranstaltung wäre, wenn ich selbst nicht jeden Programmpunkt aus den unterschiedlichsten Gründen spannend finden würde.“
„Ich hab kein Geld für ein Orchester – GEZ noch?“ heißt eines der vier angebotenen Symposien, was verbirgt sich hinter dem Titel?
Pia: „Beim Symposium 'Ich hab kein Geld für ein Orchester – GEZ noch?' kann man sich über die klassische Diskussion zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und privaten Anbietern freuen, die Debatte über neue Rundfunkgebührenmodelle, aber auch auf die Frage, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit es gibt, wie zum Beispiel in diesem Jahr zwischen dem NDR und Pro7 zum Eurovision Song Contest: mit Erfolg.“
Ihr veranstaltet zusammen mit Alexandra Müller, die mit dem Youtube-Video „Kleiner Hai“ im Internet für Aufsehen gesorgt hat, den JMTIntimflohmarkt, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Pia: „Auf einem Blog wurden wir auf den Intimflohmarkt von Alexandra Müller aufmerksam, den sie schon mehrfach in Berlin angeboten hat. Dabei werden Gegenstände für ein paar Minuten Erzählen verkauft, zum Beispiel die Grafiksoftware für sechs Minuten über ein schockierendes Kindheitserlebnis. Nachdem wir dann noch ein bisschen über Alexandra Müller, die auch sonst journalistisch sehr aktiv ist, recherchiert haben und unter anderem eben auch auf dieses skurrile Video „Kleiner Hai“ gestoßen waren – das war übrigens eigentlich nur für die Kinder aus einem Ferienlager gedacht, das Alexandra betreut hatte -, dachten wir: Die Frau müssen wir kennenlernen. Und so wurde aus einem Kaffeetrinken in Berlin dann der JMTIntimflohmarkt.“
Noch mehr Informationen über die Jugendmedientage 2010 findet ihr in diesem Artikel:
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